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Fairness-Bericht 2025 zeigt steigenden Bedarf für Mediation und konstruktive Konfliktlösung

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16.03.2026 | von BMLUK

Fairnessbüro entwickelt sich zum Brückenbauer zwischen Produzenten und Handel.

Faire Wettbewerbsbedingungen sind die zentrale Grundlage für eine stabile Lebensmittelversorgung. Das Landwirtschaftsministerium hat deshalb 2022 das weisungsfreie Fairness-Büro eingerichtet. Seither hat sich das Büro als Dreh- und Angelpunkt für die Sicherstellung fairer Handelspraktiken entlang der Lebensmittelkette etabliert und ist EU-weit ein Vorzeigemodell. Der Jahresbericht 2025 zeigt, dass rund 500 Fälle bearbeitet wurden.
 
Bundesminister Norbert Totschnig: “In den vergangenen vier Jahren hat sich das Fairness-Büro zu einem Brückenbauer zwischen Produzenten und Handel entwickelt. Es hilft, Konflikte frühzeitig zu lösen und Strafen zu vermeiden. Das stärkt Vertrauen und gibt unseren landwirtschaftlichen Betrieben und Lebensmittelproduzent:innen die nötige Planungssicherheit. Wir nützen diese Erfahrungen, um die Überarbeitung der EU-Richtlinie gegen unlautere Handelspraktiken auf EU-Ebene voranzutreiben.“

Vertrauliche Anlaufstelle

Besonders in Österreich, wo vier Handelsketten fast 95% des Lebensmittelmarktes kontrollieren, ist Vertrauen entscheidend. Lieferanten können im Fairness-Büro ihre Anliegen ohne Angst vor wirtschaftlichen Nachteilen ansprechen. Als vertrauliche Erstanlaufstelle prüft es Hinweise, vermittelt zwischen den Vertragsparteien und gibt - wenn notwendig - Fälle an die Bundeswettbewerbsbehörde weiter. Österreich gilt dabei EU-weit als Musterschüler und wird von der Kommission für diesen kooperativen Präventionsansatz gelobt. Daher wurde das Fairness-Büro Anfang März von Kommissar Hansen zu einem Erfahrungsaustausch eingeladen.
 
Doris Hold, Fairness-Büro: “Das Fairness-Büro ist der verlässliche Partner für faire Spielregeln in der Lebensmittelkette - vertraulich und rechtlich fundiert. Wir greifen Probleme frühzeitig auf, bringen Vertragsparteien wieder ins Gespräch und schaffen dort Augenhöhe, wo wirtschaftliches Ungleichgewicht herrscht. Mit dem Grundsatz ‘Prävention statt Strafe‘ stärken wir auch den österreichischen Wirtschaftsstandort, denn am Ende des Tages zahlen Bußgelder Lieferanten und Konsumenten. Bei beharrlicher Druckausübung marktmächtiger Käufer auf kleine Produzenten scheut das Fairnessbüro keinen Konflikt und kooperiert eng mit der BWB. Als europäischer Vorreiter zeigen wir, wie Fairness zwischen ungleichen Vertragsparteien rasch und effizient durchgesetzt werden kann.“

2025 rund 500 Fälle bearbeitet

Der aktuelle Fairness-Bericht zeigt, dass durch vertrauliche Beratung, Mediation und klare rechtliche Orientierung Konflikte zwischen Lieferanten und Handel in vielen Fällen frühzeitig entschärft werden konnten. Das stärkt stabile Geschäftsbeziehungen und sorgt für mehr Fairness entlang der Lebensmittelkette.
 
Im Jahr 2025 wurden 255 Beschwerden sowie 220 weitere Anfragen bearbeitet. Insgesamt waren mehr als 750 Marktteilnehmer unmittelbar oder mittelbar betroffen. In 65 Fällen wurde durch Mediationsgespräche aktiv vermittelt und eine positive Lösung herbeigeführt.
 
Ein konkretes Beispiel aus der Praxis verdeutlicht die Wirksamkeit des Fairness-Büros. Als im Dezember ein marktmächtiger Vertragspartner gegenüber bäuerlichen Betrieben kurzfristig und einseitig höhere Konditionen durchsetzen wollte, konnte das Fairness-Büro rasch eingreifen, um diese verbotene Praktik abzudrehen. Innerhalb weniger Tage wurden die aufgezwungenen Konditionen wieder zurückgenommen.

Prävention statt Strafzahlungen

Neben der Bearbeitung konkreter Beschwerden setzt das Fairness-Büro verstärkt auf Prävention. Ziel ist, Konflikte erst gar nicht eskalieren zu lassen. Zur Unterstützung dieses Ziels bietet das Fairness-Büro nun einen Vertragscheck an. Betriebe können damit ihre Lieferverträge vor der Unterzeichnung prüfen lassen. Dafür stehen online unter fairness.gv.at Musterverträge zum Download bereit. Wie alle Leistungen des Fairness-Büros, wird auch dieser Vertragscheck kostenlos zur Verfügung gestellt.

Österreich bringt Vorschläge in EU-Novelle ein

Auch auf europäischer Ebene wird derzeit an der Weiterentwicklung der Richtlinie gegen unlautere Handelspraktiken (UTP) gearbeitet. Österreich bringt sich dabei mit konkreten Forderungen ein: So soll der sogenannte Angstfaktor bei Beschwerden weiter reduziert werden, etwa durch ein finanzielles Anreizsystem, das betroffene Lieferanten unterstützt.
 
Österreich setzt sich dabei für mehr Fairness bei No-Name-Produkten ein. Die Produzentinnen und Produzenten sowie Konsumentinnen und Konsumenten müssen sich nachhaltig darauf verlassen können, dass Qualität, Zusammensetzung, Herkunft und gesundheitliche Sicherheit eines Produktes nachvollziehbar sind - von den eingesetzten Rohstoffen bis zu den Rückständen und den geltenden Kontrollstandards. Wenn Preisdruck “Skimpflation“ auslöst, also die schleichende Verschlechterung von Rezepturen und Inhaltsstoffen bei gleichzeitigem Kostendruck, dann geraten heimische Landwirtschaft, Verarbeitung und letztlich auch das Vertrauen in heimische Lebensmittel unter Druck.
 
Ein weiterer Schwerpunkt bei der Überarbeitung der UTPs soll laut Österreich auf mehr Transparenz bei Rabattaktionen liegen, damit Lieferanten nicht mit unerwarteten oder schwer kalkulierbaren Kosten konfrontiert werden.

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